No Limits Snowboardschule Bike und Radsport Langweid

9 auf einen Streich (Ostschweiz)

245 km, 7000 Höhenmeter

Landschaft

Charakter

Extreme Alpentour

Straße/Verkehr

Detailinfos bei den Passbeschreibungen

Aufgrund der guten Form und der erfolgreichen Teilnahme am Alpenbrevet entschloss ich mich, noch eine weitere Pässetour in der Schweiz zu unternehmen. Als Ausgangsort wählte ich Zernez im Engadin, da es zentral gelegen mehrere Tourenvarianten zulässt. Die ursprüngliche Planung sah dann so aus: Flüelapass - Albulapass - Berninapass - Forcola di Livigno. Das wären dann etwa 170km und 3500 Höhenmeter gewesen. Doch dann kam es noch viel besser.

Bereits um kurz vor sieben machte ich mich auf den Weg über Susch zum Flüelapass. Bereits um 8 Uhr dort angekommen war's noch bitter kalt. Gut, dass ich meine Winterhandschuhe eingesteckt hatte, ansonsten hätte ich meine Hände in Davos wohl nicht mehr gespürt.

Das Landwassertal folgend ging's anschließend ständig leicht bergab. Dies trifft auch auf den knapp 3km langen sehr gut beleuchteten Landwassertunnel zu. Mit 50 Sachen durch den Tunnel macht richtig Spaß - solange nicht gerade ein LKW entgegen kommt, dessen ohrenbetäubender Lärm knapp an der Schmerzgrenze liegt. Direkt nach dem Tunnelausgang folgt ein kurzer Gegenanstieg nach Wiesen, ehe es dann bis zum Abzweig zum Albulapass wieder stetig bergab geht.

Der Albulapass war ein erstes Highlight der Tour. Ob Bergüner Klamm, die immer wieder kreuzende Albulabahn oder die hochalpine Landschaft in der Passregion, genügend Reize, die von der anstrengenden Auffahrt ablenken.

Nach kurzer Abfahrt zurück ins Engadin ging's erst mal auf der relativ stark befahrenen Bundesstraße Richtung St. Moritz. Bevor ich den Berninapass in Angriff nehmen wollte, stärkte ich mich erst einmal mit ein paar Käsesemmeln. Diese lagen mir dann allerdings so schwer im Magen, dass ich am Bernina einen richtigen Einbruch hatte. Dazu kam noch Gegenwand während des oberen eher eintönigen Abschnitts. Gut, dass Passagiere der kaum schneller an mir vorbeifahrenden Berninabahn versuchten, mich aufzumuntern und die umliegenden vergletscherten Bergriesen für Ablenkung sorgten.

Bis zum nächsten Anstieg, dem Forcola di Livigno, war das Mittagessen glücklicherweise verdaut. Ansonsten wäre die kurze aber steile Rampe ziemlich hart gewesen. In Livigno angekommen fühlte ich mich noch so fit, dass ich mich entschloss, noch einen Abstecher über den Passo d'Eira zum Passo di Foscagno anzuhängen. Anstatt jedoch von dort wieder nach Livigno zurückzufahren, was meine erste Überlegung war, wollte ich's nun wissen. Denn die Verlockung war groß, einfach weiter Richtung Bormio zu fahren und über Umbrail- und Ofenpass zurück nach Zernez. Ich fühlte mich nach wie vor ziemlich gut und so sollten die zusätzlichen gut 2000 Höhenmeter noch drin sein. Ich musste nur aufpassen, vor Eintritt der Dunkelheit wieder zurück zu sein.

Gesagt, getan. Am Abzweig zum Stilfserjoch/Umbrailpass kurz vor Bormio war's bereits später Nachmittag. Nach wie vor bei schönstem Wetter (lediglich die großen Temperaturschwankungen von knapp über 0 bis 25 Grad machten die Kleiderwahl etwas schwierig) nahm ich also den Umbrailpass in Angriff. Zwar war das Tempo im Vergleich zu den ersten Pässen schon etwas gedrosselt, doch mein Tritt war immer noch rund. Und so war es fast logisch, dass ich am Abzweig zum Umbrailpass einfach nicht "widerstehen" konnte und die paar zusätzlichen Höhenmeter zum Stilfserjoch auch noch mitnahm. Das war dann schon ein sehr beeindruckendes Gefühl, nach bereits fast 11 Stunden Fahrt und 7 Pässen auf einem der schwersten anzukommen.

Nach der abenteuerlichen Abfahrt vom Umbrailpass (insbesondere der Naturstraßenabschnitt) stand mit dem Ofenpass der letzte Pass des Tages auf dem Programm. Gut, dass ich darauf vorbereitet war, dass auf der Abfahrt nach Zernez noch ein kleiner Gegenanstieg zu überwinden war. Ansonsten wäre die Überraschung wohl groß gewesen und die Beine noch schwerer.

Kurz nach 20 Uhr erreichte ich schließlich wieder meinen Ausgangsort Zernez. Die reine Fahrtzeit betrug etwa 11:45 Stunden. An Intensität ist diese Tour wohl kaum noch zu überbieten (zumindest was meine sportlichen Möglichkeiten betrifft). Ob ich jemals wieder so in Form sein werde, um so eine Tour im Alleingang zu unternehmen, bezweifle ich ehrlich gesagt (man wird schließlich älter ;-) Natürlich würde sich die Runde auch als Zwei- oder sogar Dreitagesfahrt anbieten.

Weitere Details und Bilder gibt's unter den jeweiligen Passbeschreibungen.

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